Erfahrungsaustausch mit irischer Feuerwehr fortgesetzt

5. November 2019
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Die FF Höchstadt empfängt Ihre Partnerwehr aus Irland

Seit neunzehn Jahren pflegt die Höchstadter Feuerwehr einen intensiven Austausch mit der Feuerwehr in der Partnerstadt Castlebar im westirischen Landkreis Mayo County und so war auch kürzlich wieder eine vierköpfige Gruppe irischer Feuerwehrleute in Höchstadt.

In Höchstadt, wo man am späten Abend ankam, wurden die Gäste vom Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Höchstadt a. d. Aisch, Benjamin Obexer, herzlich begrüßt. Seit dem letzten Erfahrungsaustausch galt es wieder viele Neuigkeiten auszutauschen, deshalb wurde die zur Verfügung stehende Woche mit umfangreichem Training und intensiver Ausbildung gefüllt. Vieles kannten die irischen Feuerwehrleute schon von ihren letzten Besuchen, aber es gab auch viel Neues zu entdecken. So hatte die Höchstadter Feuerwehr unter anderem einen Abrollbehälter „Hochwasser“ bekommen, auf den die Iren gespannt waren.
Wie Dieter Püttner von der Feuerwehr Höchstadt betonte, umfassen die gegenseitigen Besuche stets einen hohen Anteil an praktischer Ausbildung in der Feuerwehr, an englischsprachigen Fachvorträgen und Gerätevorstellungen sowie die Teilnahme an Übungen und Einsätzen. Erstaunlicherweise finden sich auch nach fast zwanzig Jahren Partnerschaft und trotz der eigentlich gleichen Aufgabenfelder immer wieder Details, die die beiden Feuerwehren unterscheiden. So haben die irischen Kollegen größere Erfahrung im Bereich von Verkehrsunfällen, von der Feuerwehr Höchstadt können sie beispielsweise den Umgang mit Hochleistungslüftern zur Gebäudebrandbekämpfung lernen.

Bereits am zweiten Tag konnten die irischen Feuerwehrkameraden ihre Höchstadter Kollegen bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße B 505 unterstützen.

Ein intensives Studium der in Höchstadt vorhandenen Feuerwehr-Einsatzpläne, der Vergleich mit den „Pre Fire Plans“ in Mayo County und die Ausbildung im Digitalfunk, dessen Einführung in Irland erst noch bevorsteht, bildeten den Schwerpunkt der ersten Tage. Den ganzen Samstag nahm man sich Zeit, um unter der Leitung des Ausbilders Felix Wasel die Absturzsicherung und das Retten von Personen auf Kränen zu üben.

Breiten Raum nahm während der Woche wieder die Ausbildung und der Erfahrungsaustausch zum Einsatz der Feuerwehr bei Unfällen im Straßenverkehr ein. Hier gab es einige Neuigkeiten und Tricks von beiden Seiten, so dass jeder von der Erfahrung des anderen profitieren konnte. Am Sonntagvormittag waren die Feuerwehrleute aus Mayo County als Schiedsrichter und Prüfer bei einem nachgestellten Verkehrsunfall eingeteilt und konnten ihren Höchstadter Freunden Tipps für Verbesserungen geben.
Besonders interessiert waren die Gäste an der neu in Höchstadt stationierten Ausstattung des Freistaats Bayern für die Bekämpfung von Hochwasserlagen. Die Gerätschaften des Abrollbehälters „Hochwasserschutz“ wurden ausgiebig getestet. Ein intensives Training mit der Ausrüstung wurde von Seamus Murphy, Tony Shevlin, Pete McDonnell und Seamus Joyce mit Bravour gemeistert. Die Höchstadter Ausbilder Rudolf Löhnert, Stefan Effenberg und Dieter Püttner gaben sich große Mühe bei der Ausbildung ihrer Kollegen.
Immer wieder verblüffend sind die Unterschiede der beiden Feuerwehren beim Personal festzustellen. In Irland werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr ausschließlich durch hauptberufliches Personal gestellt. Entweder als so genannte „full timer“, also hauptamtliche Kräfte oder als „retained fireman“, was man am besten mit „Feuerwehrmann auf Abruf“ übersetzen könnte. Diese Feuerwehrleute haben einen Arbeitsvertrag mit dem jeweiligen Landkreis (County), der in Irland Träger des Feuerschutzes ist, und verpflichten sich, im Alarmfall innerhalb von maximal zwei Minuten zur Feuerwache zu eilen und auszurücken. Dafür werden sie entsprechend entlohnt und beziehen außerdem ein Gehalt für die Rufbereitschaft sowie den Einsatz- und Übungsdienst. In Deutschland gibt es dagegen mit Ausnahme der großen Städte ausschließlich Freiwillige Feuerwehren, in denen die Einsatzkräfte ehrenamtlich und ohne Bezahlung ihren Dienst leisten. Die Anforderungen an die Feuerwehr, die Ausbildung und die Zahl der Einsätze sind übrigens in Mayo County und in Höchstadt nahezu identisch.

Einer der Höhepunkte des diesjährigen Besuchs war die Fahrt nach Würzburg zur Staatlichen Feuerwehrschule, wo man neben dem gasbefeuerten Brandübungshaus und dem Bootshafen die modernste Übungshalle für die Feuerwehrausbildung in Europa kennen lernen durfte. Fachlehrer Andreas Bömmel von der Feuerwehrschule geizte nicht mit der detaillierten Darstellung der Ausbildungsmöglichkeiten. Die irischen Feuerwehrmänner waren begeistert von den neuen Möglichkeiten zur handlungsorientierten und sehr praxisnahen Ausbildung in Würzburg. Ob Feuer, Brandrauch, Hilferufe, Personen in Notlagen oder Hochwasser – das alles und vieles mehr kann im neuen Trainingszentrum „hautnah“ und unter Einbeziehung aller Sinne simuliert werden. Auch von der computergestützten virtuellen Simulation von Feuerwehreinsätzen zur Ausbildung von Führungskräften war man begeistert.
Im Landratsamt Erlangen-Höchstadt hatte man Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten für die Stabsarbeit bei Großschadenslagen kennen zu lernen und konnte nach einer Einführung zum Thema „Führung und Einsatzleitung im Katastrophenfall in Bayern“ die Unterschiede zwischen dem bayerischen und dem irischen System zur Bewältigung von Katastrophen herauszuarbeiten.

Der Donnerstag war mit Besichtigungen ausgefüllt. So erläuterten Jörg Russ und Fabian Michaely bei der Firma Schaeffler das Brandschutzkonzept des Betriebes. Philipp Graf führte als engagierter Polizeibeamter durch die Räume der Polizeiinspektion Höchstadt und stellte die Aufgaben und die Ausrüstung eines Polizisten vor. Wachleiter Jörg Raber nahm die Feuerwehr in der Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes in Etzelskirchen in Empfang, wo er Aufgaben und Ausstattung des Rettungsdienstes in unserem Landkreis erläuterte.
Die Tatsache, dass der Chief Fire Officer (Kreisbrandrat) des Landkreises Mayo County zum Jahresende aus Altersgründen aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheidet, war für die Stadt Höchstadt und Bürgermeister Gerald Brehm Anlass, Seamus Murphy für seinen langjährigen und außergewöhnlichen ehrenamtlichen Beitrag zur Partnerschaft der beiden Feuerwehren zu danken. Nicht nur über die Dankesurkunde des Bürgermeisters konnte sich der Chief an diesem Abend freuen: Der stellvertretende Vorsitzende der Höchstadter Feuerwehr, Oliver Feuerlein, überreichte ihm zur Erinnerung einen Bierkrug mit Namensgravur.
Für das Besuchsprogramm 2020 sammeln die Höchstadter Feuerwehrleute bereits eifrig Themen, die sie mit den irischen Feuerwehrleuten vertiefen wollen. Das Einsatz- und Ausbildungspraktikum fand in der Zeit vom 24.10. - 01.11.2019 statt.

 

Text/Bilder: KBM Dieter Püttner / FF Höchstadt a.d. Aisch