Mit Handicap bei der Feuerwehr

1. November 2019
Info
Inklusion behinderter Menschen

Auf den ersten Blick scheint es vielleicht, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen für den Feuerwehrdienst nicht geeignet seien.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Neuhaus / Aisch zählt das nicht, denn sie haben es sich zur Aufgabe gemacht und es wird gelebt, erklärt 1. Kommandant Erwin Bergner. Die Feuerwehr Neuhaus hat zwei Kameraden in der Mannschaft, die jeweils durch einen Unfall Ihres Lebens eingeschränkt sind. Reiner und Umberto - beides Menschen mit Behinderung - sind teils körperlich oder geistig eingeschränkt. Sie sind beruflich in der Einrichtung der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf tätig. Beide waren bereits vor Eintritt Ihres Handicaps im Feuerwehrdienst ehrenamtlich tätig und sind Feuerwehrmänner mit Herz.

Die Feuerwehr Neuhaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken und demnach ein eigenes Konzept im Umgang mit der Inklusion behinderter Menschen in der Feuerwehr ausgearbeitet.

Der Deutsche Feuerwehrverband hat dieses Thema bereits im Jahr 2017 behandelt und somit einen Handlungsprozess in Gang gesetzt. In einem Positionspapier vom März 2017 erläutert der Deutsche Feuerwehrverband zusammen mit der Deutschen Jugendfeuerwehr, dass sich die Freiwilligen Feuerwehren als Spiegel der Gesellschaft sehen. Inklusion in eine Chance für die Feuerwehren, sich weiter zu öffnen, gesellschaftliche Entwicklungen mit zu gestalten und in Ihrer Organisation abzubilden.

Dass die bewusste Inklusion in der Feuerwehr auch Hand und Fuß hat, hat man in Neuhaus Grundsätze zur Einbindung von Menschen mit Behinderung ausgearbeitet und festgelegt. Hier gibt es zum einen eine schriftliche Vereinbarung neben dem eigentlichen Mitgliedsantrag, sowie ein Dokument zur gesundheitlichen Selbsteinschätzung vom Spitzenverband DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung). Die schriftliche Vereinbarung wird bei Eintritt in die Feuerwehr mit dem jeweiligen Mitglied durchgesprochen. Diese beinhaltet beispielsweise festgelegte Tätigkeitsbereiche im Übungs- und/oder Einsatzdienst, Unterstützung bei Vereinstätigkeiten, oder gar bei Ausbildungen.

Auch stellvertretender Kommandant Patrick Sorger ist sich der besonderen Anforderungen bewusst. Gelungene Inklusion in der Feuerwehr, setzt eine individuelle Gefährdungseinschätzung bzw. -beurteilung voraus. Feuerwehren stehen in der Mitte der Gesellschaft und sind in der Lage, gesellschaftliche Entwicklungen zu gestalten.
Bevor es zur Aufnahme und Inklusion eines Mitglieds kommt, braucht dies jedoch im Vorfeld einige Zeit, um sich kennenzulernen und die gegenseitige Einschätzung der persönlichen Fähigkeiten sowie die Zumutbarkeiten zu erkennen und zu beurteilen. Im Fall von Reiner und Umberto, war die Sache jedoch schnell klar.
Umberto, der bereits seit 25 Jahren aktives Mitglied der Neuhauser Feuerwehr ist, konnte nach einem Unfall seine Tätigkeiten körperlich nicht mehr so folgen wie zuvor. Die Kameradinnen und Kameraden unterstützten ihn, sein Ehrenamt gerecht fortführen zu können.
Reiner war vor Eintritt in die Neuhauser Feuerwehr als gesunder Mann bereits in einer anderen Feuerwehr tätig und hat aus der Vergangenheit einige Kenntnisse im Feuerwehrdienst. Er ist glücklich, dass er trotz geistiger Einschränkung voll integriert ist. Auch einen Meldeempfänger trägt er stolz am Gürtel, um bei einer Alarmierung unterstützen zu können. Auf spezielle Aufgaben, wie als Atemschutzgeräteträger oder Maschinist muss hier jedoch verzichtet werden. Dies verlangt für alle Frauen und Männer, ob freiwillig oder beruflich, eine uneingeschränkt gesundheitliche Eignung. Maschinisten (Fahrer von Feuerwehrfahrzeugen), aber vor allem Atemschutzgeräteträger müssen sich auch regelmäßigen, gesundheitlichen Untersuchungen, sowie jährlichen Belastungsübungen unterziehen, um im Ernstfall zu jeder Zeit zuverlässige Hilfe leisten zu können.

Reiner und Umberto sind zufrieden mit ihren Tätigkeiten, die sie zu jeder Zeit sicher und zuverlässig durchführen. Schläuche ausrollen oder kuppeln, Gerätschaften heranschaffen, die Aufgaben eines Melders in unterstützender Funktion auszuführen, sind nur ein Teil ihres Einsatzes, der von Allen außerordentlich gelobt und geschätzt wird. Gerade die Kameraden sind solche, auf die man sich oft am meisten verlassen kann, sagt erste Vorsitzende des Vereins Waltraud Burkhardt

Bei Vereinstätigkeiten, Feuerwehrfesten etc. sind sie immer zur Stelle und wollen dabei sein, um Ihre Feuerwehr zu repräsentieren.

Sie sind stolz dabei sein zu können, ihre Mannschaft jedoch samt Kommandanten und Vorstandschaft noch viel mehr.

 
Bericht/Bilder: KBM Sebastian Weber, Pressesprecher Kreisbrandinspektion ERH