Erlangen-Höchstadt. Beeindruckende Zahlen wurden den Kommandanten der Feuerwehren des Landkreises bei deren Frühjahrsdienstversammlung in Kalchreuth vorgelegt. Einer erneuten Steigerung der Einsatzzahlen und dem hohem Zeitaufwand der Aktiven für Aus- und Fortbildung steht allerdings ein überdurchschnittlicher Nachwuchsmangel im Bereich der Jugendfeuerwehr gegenüber.
Kreisbrandrat Harald Schattan konnte in der bis auf den letzten Platz besetzten Mehrzweckhalle der Gemeinde Kalchreuth zunächst eine Vielzahl von Ehrengästen begrüßen, allen voran Landrat Eberhard Irlinger und zahlreiche Bürgermeister, Matthias Görz und Kathrin Gensler als Vertreter des Landratsamtes sowie Polizeidirektor Rössl und die Ersten Polizeihauptkommissare Schmeißer, Lehner und Pakusch.
In seinem Grußwort stellte Kalchreuths Bürgermeister Herbert Saft die gastgebende Gemeinde vor, die bei strahlendem Sonnenschein und einem weißen Blütenmeer ihrem Ruf als Zentrum des fränkischen Kirschenanbaus einmal mehr als gerecht wurde.
Erster Polizeihauptkommissar Jürgen Schmeißer, seit kurzem neuer Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Höchstadt, lobte in seiner Ansprache die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr. Erst kürzlich beim Busunfall in Röttenbach habe sich gezeigt, dass die Wehren nicht nur funktionsbezogene Arbeit leisten, sondern auch die ganze Peripherie eines Unglücks im Blick hätten. Diese Synergieeffekte gelte es weiter zu nutzen und vorhandene Schnittstellenproblematiken zu verbessern. Für die kameradschaftliche Zusammenarbeit sprach er seinen Dank aus.
Als Schwerpunkte der Arbeit auf Landkreisebene bezeichnete Kreisbrandrat Harald Schattan in seinem Jahresrückblick unter anderem die neue Alarmplanung zur Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle, die Führerscheinregelung für Einsatzfahrzeuge, die Lehrgangsplanung und –verwaltung über die Homepage des Kreisfeuerwehrverbandes sowie die äußerst erfolgreiche Rauchmelder-Aktion, bei der rund 3000 der kleinen Lebensretter verkauft werden konnten. Zahlreiche Feuerwehrdienstleistende wurden für ihre langjährige Tätigkeit mit Auszeichnungen des Innenministeriums und des Landkreises geehrt. In diesem Zusammenhang freute er sich, dass Landrat Eberhard Irlinger für sein stetes Engagement im Brand- und Katastrophenschutz die Verleihung der Ehrenmedaille des Deutschen Feuerwehrverbandes zu Teil wurde, der höchsten Brandschutzauszeichnung, die ein „Zivilist“ erhalten könne.
Die Feuerwehren seien ein wesentlicher Bestandteil des Katastrophenschutzes, stellte Landrat Eberhard Irlinger fest. So sei auch dieses Jahr weiter in deren Ausrüstung investiert worden. Um Großschadenslagen besser entgegentreten zu können, haben die Landkreise Fürth und Erlangen-Höchstadt zusammen ein Hilfeleistungskontingent aufgestellt, in dem allein 350 Einsatzkräfte seines Landkreises gemeldet seien, deren Abkömmlichkeit im Katastrophenfall auch mit den Arbeitgebern geklärt sei. Zur künftigen Sicherstellung des Personalbedarfs wünschte er sich ein landkreisbezogenes Konzept zur Nachwuchsgewinnung, an dessen Entwicklung und Umsetzung auch das Landratsamt mitarbeiten werde.
Stellvertretend für alle Fachbereichsleiter blickte Thomas Birkner, FB Öffentlichkeitsarbeit, dann auf die Facharbeit im abgelaufenen Jahr zurück. Die Feuerwehren des Kreises wurden 2010 zu insgesamt 2229 Einsätze alarmiert, was ein Plus von 6% gegenüber dem Vorjahr bedeute. Zwar sei die Zahl der Brände von 310 auf 261 gesunken, jedoch stieg die Zahl der technischen Hilfeleistungen von 1634 auf 1489. Neben den First Responder-Standorten Baiersdorf und Kalchreuth nahm die FF Bubenreuth als dritte Station ihren Dienst auf. Insgesamt wurden die Feuerwehr-Ersthelfer zu 418 Einsätzen gerufen, bei denen 352 verletzte oder akut erkrankte Personen betreut und erstversorgt wurden.
Nicht erst seit Fukushima steht der ABC-Zug des Landkreises vermehrt im öffentlichen Interesse: Dieser nahm unter anderem mit der Bundeswehr und verschiedenen Brandschutzeinheiten im vergangenen Jahr an einer großangelegten 2-Tages-Übung in Neundorf teil.
Der Fachbereich Ausbildung zeichnete auch unter der neuen Führung von KBI Manfred Schattan für eine konsequente Fortbildung der Einsatzkräfte verantwortlich: 562 Teilnehmer nahmen an den verschiedensten, auf Kreisebene angebotenen Lehrgängen teil, weitere 85 bildeten sich an den staatlichen Feuerwehrschulen fort. An der Winterschulung beteiligten sich 181 Feuerwehrleute, eine erste Einführung in den Digitalfunk erhielten 70 Teilnehmer. 775 Atemschutzgeräteträger unterzogen sich der jährlich vorgeschriebenen Belastungsübung in der Atemschutzübungsstrecke.
Vom FB Öffentlichkeitsarbeit wurden unter anderem 242 Pressemitteilungen herausgegeben, dazu mit dem Franken-Fernsehen ein Beitrag zur Rauchmelder-Aktion erstellt. Die Zusammenarbeit mit der Pressestelle des Polizeipräsidiums sei als hervorragend zu bezeichnen, so Birkner. Gefordert war im vergangenen Jahr der FB Kommunikation, nicht zuletzt durch die neue Alarmplanung und die Inbetriebnahme der ILS Nürnberg. Sehr aktiv war auch der Fachbereich Brandschutzerziehung, der für verschiedene Workshops, Lehrgänge für Sicherheitsbeauftragte an Grund- und Hauptschulen sowie die Erstellung eines Malbuches sorgte. Der FB Frauen beteiligte sich mit dem Info-Stand an verschiedenen Veranstaltungen und organisierte ein Seminar über den Schutz von Kindern vor Drogen. Im Landkreis sind übrigens 344 weibliche Einsatzkräfte im Alter von 18 bis 63 Jahren aktiv, 128 Mädchen werden in den Jugendfeuerwehren auf den Dienst in der Feuerwehr vorbereitet. Sorge bereitet den Verantwortlichen dagegen die grundsätzliche Entwicklung in der Jugendarbeit: So leisteten 2010 nur noch 494 Jungen und Mädchen Dienst in der Nachwuchsorganisation, 89 weniger als noch 2009. Dies bedeutet einen Mitgliederrückgang um rund 15%.
Einen weiteren Programmpunkt bildete ein Kurzvortrag von Stefanie Stein zum Aufbau eines sogenannten PEER-Netzwerks im Landkreis, das mit geschulten Mitarbeitern den Einsatzkräften vor allem bei der psychischen Bewältigung belastender Einsätze zur Seite stehen soll. Kreisfeuerwehrarzt Dr. Peter Leonhard stellte den Kommandanten Neuerungen in der Notfallmedizin vor, die insbesondere die Frühdefibrillation und erweiterte Basismaßnahmen, auch durch die Feuerwehr, vorsehen, um das therapiefreie Intervall bis zur ärztlichen Behandlung zu verkürzen und Überlebenschancen deutlich zu verbessern.
Mit dem Dank an die gastgebende Feuerwehr Kalchreuth für die perfekte Organisation der Veranstaltung sowie die hervorragende Bewirtung schloss KBR Harald Schattan dann die Dienstversammlung.
Text und Bilder:
Stefan Brunner, Pressestelle KFV Erlangen-Höchstadt















