Worte des KBR zum Jahreswechsel
Ihre Feuerwehr -- Bewahren, verändern, Zukunft gestalten..
Gedanken des Kreisbrandrats Harald Schattan zum Jahreswechsel
Wir schreiben das Jahr 2010
Herzogenaurach: 2009 ist Vergangenheit. Es war ein Jahr, das in allen Bereichen - gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch - tief greifende Veränderungen mit sich gebracht hat. Denken wir nur an die Wirtschafts- und Finanzkrise, deren Auswirkungen die Kommunen und auch wir in den Feuerwehren zu spüren bekommen.
2020 werden der Staat, die Kommunen und auch wir als Freiwillige Feuerwehr uns ernsthaft die Frage stellen müssen:
Haben wir in 2010 die Weichen für eine zukünftige ehrenamtliche Arbeit bei der Feuerwehr richtig gestellt?
Haben wir dann noch genügend einsatzfähige Freiwillige Feuerwehren für die zu bewältigenden Aufgaben zur Verfügung, die z.B. im Jahresdurchschnitt bei Verkehrsunfällen auf den bayerischen Straßen über 8.500 Menschen mit dem Spreizer befreien?
Sicherheit bedeutet Lebensqualität, und diese gilt es ohne zusätzliche Auflagen zu erhalten, entsprechende Rahmenbedingungen und Anerkennungen zu schaffen, damit auch unsere nachfolgende Generation diese Aufgaben noch ehrenamtlich leisten kann.
Was gilt es zu bewahren?
Nichts weniger als die Gemeinschaft aller Menschen in den Freiwilligen Feuerwehren, in den Werkfeuerwehren und in den Jugendfeuerwehren, die unsere Zukunft sind. So gilt es auch für die soziale Sicherheit der Feuerwehrangehörigen sowie die Förderung des Ehrenamts einzutreten und für Innovation in Technik und Taktik, für eine starke, gemeinsame Interessenvertretung.
Es gilt, eine der größten Bürgerinitiativen im Landkreis und in ganz Bayern zu bewahren und ein verlässliches System schneller und kompetenter Hilfe leistungsfähig zu erhalten, das ohne diese Bürgerinnen und Bürger undenkbar wäre.
Diesem Gut muss der Staat gerecht werden, es bewahren, schätzen und ausbauen.
Was galt, was gilt es zu verändern?
Vor allem die Akzeptanz dieser unserer Arbeit und seine Wahrnehmbarkeit, die in vielen Schichten der Bevölkerung als Selbstverständlich hingenommen wird.
Wir müssen uns dabei immer wieder die Frage anhören: „Was machen unsere Freiwilligen Feuerwehren eigentlich“?
Dabei müssen wir der Bevölkerung deutlich machen:
- Bei unseren Freiwilligen Feuerwehren wird die Ausbildung wie auch der Einsatz zu 100 % freiwillig und ehrenamtlich geleistet.
- Über rund 3.000 Aktive Feuerwehrdienstleistende in den 82 Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises ERH stehen an 365 Tagen freiwillig und ehrenamtlich bei Einsätzen für unsere Bürger/Bürgerinnen Tag und Nacht ihren Mann und ihre Frau.
- Im Jahresdurchschnitt sind über 1.100 Einsatzstellen zu bewältigen (Brandeinsätze, Verkehrsunfälle, Hochwasser, Sturmschäden, Ölspuren u.v.m.)
- Um diese Einsätze zu bewältigen erfolgen über die drei erst alarmierenden Stellen und ab Herbst 2010 über die Integrierte Leitstelle Nürnberg im Jahresschnitt für unseren Landkreis über 1.100 Alarmierungen. Dies bedeutet, dass täglich 3 bis 4 Feuerwehren unterwegs sind um unseren Bürgern/innen zu helfen.
Zukunft gestalten: Welche Aufgaben liegen vor uns?
Die Tätigkeit einer solch großen Organisation ist nicht beliebig. Sie kann nicht beliebig sein!
Sie muss sich an den Aufgaben der Zukunft orientieren. Im zurückliegenden Jahr haben wir in einem beispiellosen Prozess, auf verschiedenen Ebenen und in vielen in Arbeitsgruppen, Themen - wie z.B. Feuerwehrförderung, Feuerwehrführerschein, Hilfeleistungskontingente, Versicherungsschutz sowie Integrierte Leitstelle, um nur ein paar Punkte aufzuzeigen – behandelt und versucht auf den Weg zu bringen. In den nächsten Jahren wird uns die Einführung des Digitalfunks im technischen Bereich maßgeblich beschäftigen.
Die demographische Entwicklung wird auch vor den Feuerwehren und den Führungsdienstgraden in den nächsten Jahren nicht halt machen. Hier sind zukunftsfähige und tragfähige Lösungen zu erarbeiten, damit wir auch nach dem Jahr 2020 noch zukunftssicher sind.
Dabei geht es um:
Ø zukunftsfähige Strukturen der Führungsdienstgrade (ehrenamtlich oder auch hauptamtlich).
Ø die zukünftige Struktur der Feuerwehren, wie auch die Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren als eine Einheit.
Ø die Tagesalarmsicherheit, genauso, wie um die zukünftigen Aufgaben der Feuerwehren, hier muss wieder eine stärkere Beschränkung auf die gesetzlichen Aufgaben erfolgen
Ø nicht nur „Mädchen für alles zu sein“. Jeder Bürger ist für sich selber der nächste und sollte nicht gleich wegen 5 cm Wasser im Keller oder einem Ast auf der Fahrbahn die Feuerwehr rufen, sondern vielleicht auch einmal selber Hand anlegen!
Ø Ebenso sind viele andere öffentliche Stellen dazu aufgefordert ihre Aufgaben im eigenen Zuständigkeitsbereich zu erfüllen und nicht in der Nacht, weil kein Personal vorhanden ist auf die Feuerwehr zurückgreifen!
Derzeit sind wir noch in der glücklichen Lage, dass wir die Jugend für die Feuerwehr begeistern können und noch keine Nachwuchsprobleme haben.
Wie wird dies übermorgen sein???
Wenn wir die Geburtenzahlen der letzten Jahre betrachten sind diese sehr rückläufig, in Bayern:
| 1960 | 172.000 Geburten | dies sind die jetzigen 50 jährigen |
| 1990 | 136.000 Geburten |
dies sind die jetzigen 20 jährigen |
| 2001 | 116.000 Geburten | mit fallender Tendenz, dies ist die Jugend in 2015 |
| 2007 | 107.000 Geburten |
dies ist die Jugend nach 2020 |
Wir können demnach in den nächsten 10 Jahren auch nur einen wesentlich geringeren Personenkreis ansprechen. Hier müssen wir versuchen noch mehr Werbung bei den Jugendlichen für die Arbeit in der Feuerwehr zu machen, also die Jugend noch mehr begeistern.
Verantwortung und Erfahrung!
Über 3.000 Aktive in den Feuerwehren im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind mehr als nur Ehrenamtliche, sie sind „Besondere Ehrenamtliche“, weil sie ein besonderes Ehrenamt ausüben und sie sind ein verlässlicher Partner für schnelle und kompetente Hilfe.
Nachts um drei raus, Verantwortung übernehmen, dabei schnelle und teilweise schwierige Entscheidungen innerhalb von Sekunden treffen. Das eigene Ich zurückstellen um anderen zu helfen, egal in welcher Situation.
Es ist nicht nur irgendein Ehrenamt, nein, es ist ein „Besonderes Ehrenamt“.
Den es macht schon einen Unterschied, ob jemand um 18:00 Uhr seinem „Ehrenamtlichen Hobby“ im Verein nachgeht, oder ob jemand nachts durch den Piepser geweckt wird und nicht weis was auf ihn zukommt.
Sie setzen sich selbst Gefahren aus und riskieren bei vielen Einsätzen ihr eigenes Leben.
Denn wer dort hinein läuft, wo andere heraus laufen, hat Anspruch auf eine spürbare Anerkennung!
Bewahren, verändern, Zukunft gestalten …
Die Zukunft gemeinsam gestalten - durch gemeinsamen Erfolg.
Dazu möchte ich unsere Feuerwehren, aber auch die Bevölkerung auch im Jahr 2010 aufrufen.
Lassen Sie uns gemeinsam ein weiteres Stück des Weges gehen, um die Grundlagen für verlässliche Hilfe durch die Feuerwehren im Landkreis Erlangen-Höchstadt dauerhaft zu sichern.
Ohne Ehrenamt gibt es keine Freiwillige Feuerwehr.
Harald Schattan
Kreisbrandrat des Lkr. Erlangen-Höchstadt















